17.02.2016

FanFiction- Rabenklaue #Kapitel 1 - Der Albtraum


Tanja Parker ist eine junge Hexe im fünften Schuljahr im Schloss Hogwarts der Schule für Hexerei und Zauberei. Auf dem ersten Blick scheint sie ein normales Leben zu führen. Aber was lauert wirklich in diesem Mädchen? Das fünfte Schuljahr birgt viele Geheimnisse, Gefahren und vielleicht auch neue Freunde?



  

Kapitel 1 - Der Albtraum

Finstere Nacht. Der Sturm wütete. Die Bäume ächzten und knarrten unter den schweren Winden die durch den Verbotenen Wald brausten. Kein Wesen traute sich an die Oberfläche. Der mächtige Sturm wurde immer schlimmer. Blitze durchzuckten die eisige Nacht.
Ein schwerer Regen setzte ein und machte jede Sicht unmöglich. Ein tiefes Brummen legte sich über das Schloss Hogwarts und seinen Ländereien. Die Schule für Hexerei und Zauberei lag im tosenden Sturm schützend und ruhig da. Alle Bewohner des Schlosses schliefen seelenruhig in ihren Betten. Gut beschützt von den starken, undurchdringbaren Mauern des Schlosses. Alle Bewohner schliefen? Nein. Ein junges, hübsches Mädchen im Alter von 15 Jahren war noch wach. Tanja Parker, war in ihrem fünften Schuljahr in Hogwarts, welches soeben begonnen hatte. Sie war eine gute Schülerin, war eine hervorragende Jägerin im Quidditch und war zudem noch ziemlich hübsch. Sie war nicht ohne Grund im Hause Gryffindore gelandet, denn sie hatte sehr viel Durchsetzungsvermögen und Mut.  Tanjas dunkelbraunen Augen wanderten zur Uhr. 11 Uhr. Von einer Zimmergenossin kam ein tiefes Grunzen. Sie beneidete den gesunden Schlaf ihrer Freundin Kateleen Whinescher. Plötzlich fröstelte Tanja und schlang ihre Arme um ihre angewinkelten Beine. Sie saß wie fast jede Nacht am Fenster und starrte in die undurchdringbare Nacht. Tief in Gedanken versunken verfolgte sie den tosenden Sturm. Wie fast jede Nacht fand sie keinen Schlaf, vor allem nicht, wenn ihr der Kopf mit so vielen Gedanken und Problemen brummte. 


Seufzend erhob sich Tanja, denn allmählich hielt sie es nicht mehr auf dem kalten Fenstersims aus. Sie beschloss sich in den Gemeinschaftsraum vor den Resten des Feuers im Kamin ein wenig aufzuwärmen. Als sie hinunter kam, lag der Gemeinschaftsraum still und verlassen da. Als Tanja es sich in einem Sessel vor dem Kamin gemütlich machen will, schreckt sie eine vertraute Stimme auf. „Na, kannst du nicht schlafen?“ Tanja entdeckte Oliver Wood in einem Sessel. Sie musste ihn beim herein kommen übersehen haben. „Was sitzt du hier im Dunkeln und erschreckst harmlose Leute?“, fauchte sie ohne auf seine Frage einzugehen. Oliver Wood grinste. Er war im sechsten Schuljahr von Hogwarts. Der Gutaussehende Sechstklässler war Kapitän der Quidditch –Mannschaft von Gryffindore und der beste Hüter seit vielen Jahren. Denn Quidditch war seine tiefe Leidenschaft. Er verbringt seine Stunden gern auf dem Spielfeld und nutzt das fliegen um den Kopf frei zu bekommen. Deshalb war er auch wahrscheinlich ein so guter Mannschaftskapitän. Tanja kannte Oliver schon seit dem ersten Schuljahr, als sie in die Quidditch-Mannschaft aufgenommen wurde. Er war der Mädchenschwarm schlecht hin, was allerdings im Anbetracht seiner männlichen geschnittenen Gesichtszügen und seiner stark gebauten Figur verständlich war. Er hatte für die meisten Mädchen Hogwarts einen unwiderstehlichen Charme dem einfach keine widerstehen konnte und wo selbst Professor McGonagall es schwer viel, auf ihn Böse zu sein, wenn er mal wieder etwas ausgeheckt hatte. Jedoch war Wood so gerissen und raffiniert das seine kleinen Abenteuer niemals heraus kamen oder auffielen. Er war ein hervorragender Schüler und von allen Lehrern geliebt. Und auch wenn er hin und wieder aus einer Besenkammer gezerrt wurde, wo er wieder mal mit einem Mädchen geknutscht hatte, hatte er ein charmantes Lächeln auf den Lippen und eine passende Ausrede parat gehabt. Doch Tanja Parker konnte er nicht so einfach um den Finger wickeln, das wurde ihm bereits im ersten Schuljahr bewusst, als Tanja nach Hogwarts kam. Sie war schon als Erstklässlerin eine herausragende Hexe und noch dazu außergewöhnlich talentiert. Tanja hatte stets einen passenden Spruch auf Lager um zu kontern, wenn ihr jemand unangemessen kam. Doch Oliver hatte sie bereits zu Anfang durchschaut. Tanja war längst nicht so unnahbar wie sie immer tat. 


„Harmlose Leute? Wo den bitte? Ich glaub nicht das man dich als harmlos bezeichnen kann.“,  gab Oliver zur Antwort. Tanja tat seine Bemerkung mit einem leichten Schmunzeln ab. „Allerdings.„, stimmte sie nur zu. „Weshalb kannst du nicht schlafen?“, fragte sie schließlich und ließ sich in einen Sessel ihm gegenüber nieder. Obwohl es ihr widerstrebte in Olivers Gesellschaft zu bleiben, blieb sie  jedoch im Gemeinschaftsraum, da dieser noch erstaunlich warm war. Zumindest wärmer als ein Fenstersims. „Wie kommst du darauf das ich nicht schlafen könnte?“, fragte Oliver spielerisch mit seinem lausbubenhaften Lächeln. „Weil du wach bist.“,  entgegnete Tanja im resigniertem Ton. Wood überraschte Tanjas Kühlheit immer wieder. Obwohl er sie bereits seit Jahren kannte, überraschte sie ihn jedes Mal auf ein Neues. „Hatte einen Albtraum.“,  gab er schließlich zu. „Weshalb bist du wach?“, fügte er hinzu, um schnell von sich abzulenken. „Ich schlafe nie sonderlich viel.“,  erklärte sie. Das war Oliver auch schon aufgefallen. Sie aß auch kaum etwas. Nicht das Tanja krank war, nein den Eindruck hatte er nicht. Aber sie aß eben wirklich nur dann wenn sie Hunger hatte und sie schlief auch nur dann, wenn sie müde war. Tanja musterte Olivers nachdenkliche Miene, die im halbdunklen lag.

Ein Blitz ließ den Raum aufhellen und verriet Tanja das er über etwas sehr wichtiges nachzudenken schien. Für gewöhnlich interessierte sie sich nicht für Oliver oder seine Probleme. Die beiden neckten und stichelten sich wo es nur möglich war. Es hatte zwar oft den Anschein das die beiden sich nicht leiden könnten, aber der Gegenteil war der Fall. Sie kamen gut miteinander aus, wenn gerade keiner in ihrer Nähe war. Sie hatten einige Meinungsverschiedenheiten die sie öfter aneinander geraten ließ. 

Tanja beschimpfte Oliver als Playboy der Schule, wenn er es wieder einmal schaffte sie auf die Palme zu treiben. Aber nachdenklich und ernst erlebte sie diesen Draufgänger und Casanova selten.  „Worum ging es in deinem Albtraum?“, fragte Tanja mit ehrlichem Interesse. Ihre Worte schreckten ihn aus seinen Gedanken. „Oh…ähh.. nicht so wichtig. Schon vergessen.“,  erklärte er verlegen und war der Nacht dankbar das sie nicht seine Röte, welche in seinem Gesicht aufstieg, enttarnte. Tanja kniff misstrauisch die Augen zusammen. Sie wusste wann ihr jemand etwas Vormachte und wann nicht. In diesem Fall wusste sie es ganz genau. Oliver war ein schlechter Lügner. Zumindest in einigen Situationen. Stille senkte sich über die beiden während sie sich gegenseitig musterten. 

Lediglich das Grollen des Donners und die Blitze durchbrachen die Stille. Es war fast so als würde sich der Sturm durch die Spannung die zwischen den beiden lag aufladen. Oliver durchbrach als erster die Stille, indem er mit einem Thema versuchte abzulenken. Er wollte es vermeiden Tanja von seinem Albtraum zu erzählen, der davon handelte das Tanja starb. Wood mochte Tanja mehr als er zugeben wollte. Das war seitdem ersten mal ihrer Begegnung so. Sie war ihm wichtig. Auf unerklärliche Weise war sie ihm wichtig geworden. Wichtiger als sein bester Freund vielleicht sogar. „Ähm, du machst im Training gute Fortschritte. Ich bin mir sicher das wir schon das erste Spiel der Saison gewinnen werden.„ Ein lauter Donner, der die Nacht erbeben ließ, folgte seinem Satz. Tanja stimmte nur mit einem Kopfnicken zu, sagte jedoch nichts. Schließlich schaffte es Oliver das Gespräche auf die neusten Trainingspläne zu lenken und so unterhielten sie sich einige Stunden. Bis Wood voller Müdigkeit einschlief. Nachdem Tanja festgestellt hatte das sie keine Antwort mehr bekam und Oliver schlief, lehnte sie sich im Sessel zurück und beobachtete ihn. Auch der Sturm draußen, schien sich gelegt zu haben und leiser geworden zu sein. Sie jedoch war noch hellwach. Ein Blick auf die Uhr über dem Kamin verriet ihr das es bereits 2 Uhr sein musste. Und so nahm Tanja ein Buch, welches vor ihr auf dem Tisch lag, wo es anscheinend ein Schüler vergessen haben musste, und welches sich „Tore zu anderen Dimensionen„ nannte, zu lesen.






Die Uhr schlug 4 und Tanjas Blick wanderte zu Oliver als sie bemerkte wie er seinen Kopf im Schlaf hin und her schlug. Auf seiner Stirn bildeten sich dicke Schweißperlen ab und er murmelte etwas Unverständliches vor sich hin. Besorgt legte Tanja das Buch beiseite und setzte sich bei ihm auf die Sessellehne, um Oliver besser sehen zu können. Sie strich vorsichtig mit der Hand über seine nasse Stirn. Er war vollkommen erhitzt. Tanjas Besorgnis wuchs als sie aus Olivers Murmeln ihren Namen entnehmen konnte.  Plötzlich schreckte er auf und landete in ihren Armen. Völlig atemlos klammerte er sich an ihr und murmelte noch verwirrt ihren Namen. Überrascht,  aber ruhig hielt sie Oliver fest und versuchte ihn leise wieder zu beruhigen. „Ist ja schon gut. Ich bin doch hier.“,  erklärte sie leise und spürte wie Olivers Herz wieder langsamer wurde. Obwohl Tanja mit Oliver meistens nicht so gut auskam, konnte sie nicht bestreiten das sie ihn mochte, zumindest wenn er nicht gerade den Casanova spielte. Aber so aufgewühlt hatte sie Oliver noch nie erlebt und sie machte sich ernsthafte Sorgen. Als Oliver wieder klar denken konnte und sich sein Puls normalisiert hatte, registrierte er erst das er in Tanjas Armen lag. Oliver wurde schlagartig wach, als er ihren Oberkörper an seinem bemerkte. Ihr süßer Duft schien ihn vollkommen einzuhüllen. Ein warmes Prickeln breitete sich in ihm aus. Ihr langes braunes Haar viel über seine Hände auf ihrem Rücken. „Ist wieder alles in Ordnung?“, fragte Tanja langsam. Oliver löste sich langsam von ihr und blickte in ihre besorgten braunen Augen.  Er schluckte schwer und nickte gezwungen. „Was war denn los? Was hast du geträumt?“, fragte Tanja  vorsichtig nach. Diese Frage hatte er bereits gefürchtet. Nein. Er konnte es ihr nicht erzählen. „Nichts nichts.“, murmelte er nur, stand auf und ging hoch zum Schlafsaal. Verwundert blieb Tanja zurück und starrte ihm verblüfft nach. Sie verstand sein Verhalten nicht. Sie war doch sonst immer diejenige welche seinen Fragen auswich und irgendwohin verschwand. Seit wann war er denn so empfindlich, fragte sie sich. Die ganze Sache fand sie höchst eigenartig. Aber erfahren würde sie es im Moment sowieso nicht und so beschloss sie sich für ein oder zwei Stunden noch ins Bett zu legen. Zumindest solange bis die anderen aufwachten, damit es nicht auffiel das sie diese Nacht nur zwei Stunden geschlafen hatte.




Am nächsten Morgen zog Tanja ihren Vorhang vom Bett zurück und sah wie Kate, als einzigste die noch im Schlafsaal war und  sich gerade anzog. Es war bereits 8 Uhr und die meisten standen jetzt erst auf. „Guten Morgen, Kate.“, grüßte Tanja. Kate drehte sich zu ihr um und band sich ihren Zopf zu ende. „Oh Guten Morgen, Tanja. Ich dachte du wärst schon beim Frühstück.“ Tanja schüttelte den Kopf und stand ebenfalls auf um sich anzuziehen. „Nein, ich bin noch für zwei Stunden eingeschlafen.“, erklärte sie. Kate kannte sie seit der ersten Klasse auf Hogwarts und diese wusste bereits um Tanjas merkwürdige Angewohnheiten. 

Als sich auch Tanja angezogen hatte, gingen die beiden nach unten zum Frühstücken. Als sie die Große Halle betraten sahen sie das bereits die meisten Schüler an vier langen Haustischen saßen. Heute war der erste Unterrichtstag nach den langen Ferien  und der Unterricht begann für gewöhnlich erst um neun. Für die meisten genügend Zeit sich mit ihren Freunden beim Frühstück über die Ferienerlebnisse auszutauschen. Tanja entdeckte ihre beste Freundin Carolin Scheinert am Slytherin-Tisch sitzen, denn sie winkte bereits herüber. Freudig winkte sie zurück und setzte sich mit Kate an den Gryffindor-Tisch. Caro kam kurz darauf zu ihnen und setzte sich auf den Platz Tanja gegenüber. „Hey, na wie geht’s euch so?“, grüßte sie gut gelaunt. „Danke, ganz gut. Wie hast du geschlafen?“, erwiderte Tanja. „Hervorragend.“ Caro war zwar im Hause Slytherin aber sie war, wenn man sie genauer kannte richtig nett und freundlich. Sie war in Tanjas Alter und nicht weniger hübsch. Ihre blaugrünen Augen funkelten freudig und ihre langen schwarzen Haare fielen gewellt auf ihren Rücken. Tanja und Caro waren schon vor Hogwarts die besten Freunde. Als die beiden den Brief bekamen das sie in Hogwarts aufgenommen wurden, war die Freude riesen groß bei beiden. Caro lebte mit ihrem Vater allein und dieser war ein Zauberer. Caro wuchs mit der Zauberei auf. Auch Tanja wuchs in der Zaubererwelt auf. Ihre Eltern wurden von einem schwarzen Magier getötet, als Tanja drei Jahre alt war. Sie konnte sich leider kaum noch an ihre Eltern erinnern. Jedoch wusste sie noch dass sie eine Halbblütige Hexe war, da ihr Vater ein hervorragender Zauberer war und ihre Mutter ein Muggel. Ihr Patenonkel Tom, der Besitzer des Tropfenden Kessel, ein Zaubererpub in der Winkelgasse, zog sie auf wie seine eigene Tochter, die er niemals hatte. Er war ein herzensguter Mann, was man, wenn man ihn das erste Mal begegnete, vielleicht nicht dachte.   Durch sein schütteres fast weißes Haar wirkte er Älter als er tatsächlich war. Tanja hatte lediglich ein kleines  schäbiges Zimmer über dem Pub. Aber sie war damit zufrieden. Schließlich wuchs sie damit auf und war daran gewöhnt. Genauso wie sie daran gewöhnt war jeden Tag in der Winkelgasse herum zu spazieren und hier und da ein Gespräch mit den Ladenbesitzern zu führen, die Tanja seit ihrer Kindheit kannten. Manchmal ging sie  in den Sommerferien auch in den Läden oder im Pub ein wenig zur Hand. Aber am liebsten mochte sie es Gespräche mit Olivander, den Zauberstabhersteller zu führen. Eines Tages kam dann Caro mit ihrem Onkel in den Pub. Tanja schloss sofort Freundschaft mit ihr und auch ihr Onkel verstand sich mit Tom blendend. 


„Schon die neuen Stundenpläne gesehen?„ ,fragte Caro und bestrich sich ein Toast mit Goldkäferbutter. „Oh ähm, noch nicht.„ Tanja waren die Stundenpläne vor ihr auf dem Tisch noch gar nicht aufgefallen. Sie ließ ihren Blick über ihren wandern. Wiedermal stellten sie fest das sie Zaubertränke und Pflege Magischer Geschöpfe mit den Slytherins zusammen hatten. Was für Caro und Tanja selbstverständlich eine gute Nachricht war. „Toll, die ersten beiden Stunden bei Professor McGonagall, dann zwei Stunden Pflege Magischer Geschöpfe und danach zwei Stunden Zaubertränke bei Professor Snape. Wir haben den ganzen Tag zusammen Caro.„ ,stellte Tanja freudig fest. Kate  zog eine Grimasse die die beiden ignorierten. Sie wussten wie sehr sie es hasste Zaubertränke zu haben. Der Montag fing doch gut an, dachte Tanja. Kate allerdings nahm sich frustriert einen Blaubeer-Muffin. Plötzlich erklang ein Flügelrauschen über ihnen. Ein sicheres Zeichen dafür das die Eulen die Post brachten. Meist bekamen die Schüler Briefe oder Pakete von ihren Eltern geschickt. 

Vor Tanja  landete ein grauer Waldkauz mit dem Tagespropheten. Als sie ihn bezahlt hatte flog er wieder davon. Caro hatte einen Brief von ihrem Vater bekommen und Kate von ihrer Mutter einen Pullover. Kates Mutter war immer um das Wohl ihrer Tochter besorgt und darum das sie sich auch warm anzog. Eltern eben, dachte Tanja beneidete aber insgeheim ihre Freundin umso eine fürsorgliche Mutter. Kate stöhnte auf und legte den Pullover auf die Bank neben sich und widmete sich wieder ihrem Muffin. Tanja schlug den Tagespropheten auf und las die Schlagzeilen. „Na, irgendjemanden den wir kennen?“, fragte Caro wie üblich. Tanja grinste über Caros Frage. Aber dann verschwand ihr Lächeln wieder. „Das Ministerium für Zauberei hat Sten Shumpike verhaftet.“, erklärte Tanja schockiert. Caro, die soeben in ihren Toast beißen wollte, hielt inne. „Was?! Etwa Shumpike der Schaffner vom Fahrenden Ritter?“ Caro und Tanja kannten Sten und Ernie schon sehr lange, da der Fahrende Ritter immer wieder reisende Zauberer beim Tropfenden Kessel ablieferte. „Der Minister des Ministeriums, Cornelius Fudge, ist davon überzeugt das Sten Shumpike einer der Gefolgschaft des dunklen Magiers, Paracelsus, ist.“, las Tanja einen Satz des Artikels vor, der deutlich heraussprang. „Aber Sten ist doch viel zu harmlos, der könnte niemals ein Helferlein der dunklen Magie sein.„ ,entrüstete sich Caro. Tanja stimmte ihr nickend zu.  Sten Shumpike war ein pickelgesichtiger Jugendlicher der im Fahrenden Ritter arbeitete. Abgesehen davon das er sich nie etwas merken konnte, war er ein netter Junge. Tanja glaubte nicht an den Blödsinn der im Tagespropheten stand. „Paracelsus ist viel zu gerissen und Schlau als das er so einen wie Shumpike als Helfer bräuchte. Ich bin mir noch nicht einmal sicher ob Sten einen Zauberstab hat. Ich glaube da steckt jemand anderes dahinter.„ ,erklärte Tanja so leise das nur Caro und Kate sie hören konnten. Tanja kannte diesen dunklen Magier von dem hier die Rede war, sehr gut. Paracelsus von Nettesheim war ein dunkler Magier der einst in den Diensten Lord Voldemorts stand. Als besonderer Todesser zeichnete er sich schon früh heraus. Bis zu Voldemorts verschwinden, war er seine rechte Hand gewesen. Danach tauchte er für einige Zeit unter. Jedoch kam Paracelsus noch mächtiger zurück und versuchte seither Voldemorts Platz einzunehmen. Paracelsus war es auch, der Tanjas Eltern umgebracht hatte. Die Parkers waren zu Voldemorts Schreckensherrschaft Mitglieder im Orden des Phönix. Ein Orden, von Albus Dumbledore gegründet, um Voldemort zu bekämpfen und dem die mächtigsten Zauberer und Hexen angehörten. Jedoch wusste niemand außer Caro davon. Tanja hütete ihr Geheimnis, das sie eigentlich eine Waise war, wie einen Schatz. Niemand ahnte auch nur wie sehr sie diesen Paracelsus hasste. Er hatte ihr alles genommen was ihr lieb war und eines Tages, wenn sie stark genug war, würde sie sich dafür rächen. Caro, als ihre beste Freundin hatte zwar versucht ihr das aus dem Kopf zu schlagen aber irgendwann musste auch sie aufgeben. Tanjas Dickkopf war zu stark.


„Tanja!“, erklang Caros Stimme. Tanja schreckte aus ihren Gedanken und sah auf. „Was ist?“ „Nichts. Du hattest nur wieder diesen Blick.“, erklärte Caro und biss in ihren Toast. „Welchen Blick denn?“ „Na diesen Ich-werde-Paracelsus-schon-noch-zur-Strecke-bringen Blick.“ „Unsinn. Du irrst dich.“ Caro jedoch durchbohrte Tanja mit ihrem Blick. Tanja ignorierte den Blick und las den Artikel zu ende. Dann legte sie die Zeitung weg und seufzte resigniert. Tanja blickte gedankenverloren am Gryffindor – Tisch entlang, auf der unbewussten Suche nach Oliver. Sie entdeckte ihn neben seinem besten Freund Dennis Moodie. Die beiden schienen bereits schon wieder in einem Gespräch über Quidditch vertieft zu sein. Tanja machte sich immer noch Sorgen um Olivers Verhalten von gestern Nacht und um seinen Traum, den er ihr nicht sagen wollte.




Nach dem Frühstück holten Kate und Tanja ihre Schultaschen aus den Schlafsälen und trafen Caro vor dem Zimmer für Verwandlung wieder. Caro und Tanja setzten sich zusammen in die hinterste Bank. Kate nahm neben Kevin, ihrem Freund, platz. Während die anderen Mitschüler ihre Ferienlaune noch austobten steckten Tanja und Caro die Köpfe zusammen. Tanja erzählte Caro von dem seltsamen Verhalten Olivers und das er ihren Namen im Schlaf gemurmelt hatte. Caro war nicht minder überrascht wie Tanja. „Aber Tanja, das brauch doch nichts zu bedeuten. Vielleicht hatte er nur einen schlechten Tag hinter sich oder es ist eine neue Masche von ihm.„ ,meinte Caro schließlich. Doch das beruhigte Tanja nicht im geringsten. Sie glaubte nicht das es ein neuer Versuch von Oliver war sie um den Finger zu wickeln. Dafür war seine Bestürzung und die Panik in seinen Augen zu ehrlich gewesen als er aufgeschreckt war. Noch immer konnte sie nicht glauben was passiert war. Er war direkt in ihren Armen gelandet und sie hatte ihn auch noch beruhigt und festgehalten. Tanjas Gedanken wurden von Professor McGonagalls Stimme unterbrochen und sie wurde in die Wirklichkeit zurückgeholt. 


„Guten Morgen. Willkommen zurück in Hogwarts. Ich hoffe sie haben sich alle in den Ferien recht gut erholt. Wir fangen auch gleich mit einer Wiederholung an.“, erklärte McGonagall in ihrem typisch forschen Ton. Und schon begann sie damit die Schüler nach den kürzlich gelernten Verwandlungszauber zu fragen. Tanja und Caro waren noch gut in Form, im Gegensatz zum Rest der Klasse. Trotz  allem konnte Tanja sich nicht auf den Unterricht konzentrieren. Sie verfluchte Wood dafür das er ihr immer wieder im Kopf umher schwirrte. Dem Tag über musste Tanja an Wood und an diese Sache von der vergangenen Nacht denken. Wenn sie versuchte es zu verdrängen wurde es nur noch schlimmer. Beim Abendessen warf Tanja immer wieder unauffällige Blicke zu Oliver. Doch er schaute nicht ein einziges Mal in ihre Richtung. Er war in einem tiefen Gespräch mit einem Klassenkameraden versunken und seine Stirn lag in Falten. Es schien um ein ernstes Gespräch zu gehen. Die Tatsache das es etwas ernstes war, war für Oliver Wood schon ungewöhnlich genug. Der Mädchenschwarm, welcher immer ein Lächeln auf den Lippen hatte und jeder Situation ein wenig Humor entlocken konnte, erlebte man selten mit Ernsthaftigkeit. „Denkst du immer noch über seinen Traum nach?“ Caro's Frage riss Tanja aus ihren Gedanken und lies sie aufschrecken. „Was?“ 

Tanja war so in ihren Gedanken versunken gewesen, dass sie gar nicht bemerkt hatte das sich ihre Freundin vom Slytherin – Tisch hinter sie geschlichen hatte. Caro begann zu grinsen und setzte sich neben ihre Freundin. „Naja, Oliver. Musst du immer noch an seinen Traum denken? Ich meine, dafür das ihr euch nicht leiden könnt denkst du aber ziemlich oft an ihn.“, erklärte Caro die offenbar Tanjas Blick zu Oliver bemerkte hatte. Tanja schluckte schwer und schüttelte entschieden den Kopf. „Ich und diesen Playboy mögen?“, fragte sie entsetzt. „Ich hab nur gerade überlegt wie ich ihm am besten seine Pastete ins Gesicht jage.“, versuchte sie sich heraus zu schlagen. Doch natürlich kannte Caro sie dafür viel zu gut als das sie ihre Ausreden nicht sofort erkannte. „Rede mit ihm darüber.“, sagte sie mit einem durchbohrenden Blick. „Wie läuft es bei dir mit Viktor?“, versuchte Tanja das Gespräch auf ein anderes Thema zu lenken, wobei sie zugeben musste das Caros Rat eine gute Idee war. Caro winkte auf Tanja Frage hin mit der Hand ab und setzte sich neben sie. „Naja, er geht mir aus dem Weg und ich ihm. Ich glaub wir brauchen erst einmal unserere Zeit.“, erklärte Caro. Viktor war ein Junge aus dem Hause Ravenclaw    mit dem Caro vor einem Jahr zusammen gekommen war. Sie lernte Viktor allerdings erst näher kennen als sie sich gerade von Draco Malfoy trennte, mit dem sie bereits 2 Jahre zusammen gewesen war.  Die beiden konnten sich zu Anbeginn ihrer Bekanntschaft überhaupt nicht leiden. Aber mit der Zeit entwickelten auch sie Zuneigung für einander. Bis sie schließlich im 3. Schuljahr zusammen kamen. Aber nach so langer Zeit der Zweisamkeit merkten sie wie unterschiedlich sie doch waren und trennten sich mit gegenseitigem Einverständnis. Viktor hingegen war das volle Gegenteil von Draco. Er war nicht nur einen Jahrgang älter und sah besser aus, er war auch freundlicher, Aufmerksamer und wirklich Intelligent. Aber was konnte man auch von einem Jungen aus Ravenclaw, wo nur die Schlausten hinkamen, schon anderes erwarten? Caro hatte über ein Jahr Tanja die Ohren voll geschwärmt bis sie schließlich den Mut aufgebracht hatte ihn anzusprechen. Tanja nickte nur um Caros Worte anzunehmen. 

Doch plötzlich erhob sich Oliver und ging nach draußen. Tanja erkannte das sie ihn dringend abfangen musste und dies die beste Gelegenheit war. Hastig entschuldigte sich Tanja bei Caro und verschwand aus der Großen Halle. Doch als Tanja in die Eingangshalle trat entdeckte sie Oliver an einer Mauer gelehnt und bereits wieder mal mit einem Mädchen flirten. Von wegen beste Gelegenheit, dachte Tanja seufzend. Eine Sekunde lang blieb sie stehen und überlegte nach oben zu gehen und Wood einfach zu ignorieren. Aber dann entschied sie sich doch das arme Mädchen aus seinen Fängen zu befreien. 

Mit entschlossenen Schritten ging sie auf ihn zu. Als Oliver sie näher kommen sah blitzte sein lausbubenhaftes Lächeln auf. „Oh Hallo.„ ,schallte er. Doch Tanja ignorierte sein Macho-Getue und packte ihn am Arm. Mit einer Entschuldigung an das Mädchen, welches er gerade beschwatzt hatte, zerrte sie ihn außer Hörweite. Das Mädchen funkelte Tanja finster hinterher und verschwand dann beleidigt die Mamortreppe nach oben. „Na was ist denn Kleines? Willst du auch etwas von meinem Charme abbekommen?“, meinte Oliver in seinem üblichem Ton wie er jedes Mädchen um den Finger wickelte. Doch Tanja verdrehte nur genervt die Augen. „Wenn dein so genannter „Charme„ abfärben würde, würde ich mich lieber umbringen bevor ich davon etwas abbekomme, also lass das bleiben.“, meinte sie nur in den üblichen kalten Ton. Olivers Grinsen jedoch verschwand nicht. „Also schön was willst du?“, fragte er interessiert. Tanja holte tief Luft und nahm ihren Mut zusammen. „Sei bitte Ehrlich zu mir und erzähl mir warum du in letzter Zeit solche Albträume hast und worum geht es eigentlich darin?“ Oliver schwieg einige Minuten und blickte sie einfach nur an. „Du willst es wirklich wissen?“, fragte er schließlich. Tanja nickte entschieden. Oliver versicherte sich das ihnen niemand zuhörte und fragte dann, so leise das niemand außer ihr es hören konnte. „Hast du Lust auf etwas verbotenes?“ Tanja meinte sich verhört zu haben, aber das abenteuerliche Funkeln in seinen Augen verriet das er es so meinte wie er es sagte. „Oliver Nein! Vergiss es.“

„Vergiss was?“

„Du weißt schon.“

„Nein weiß ich nicht.“

Tanja seufzte entnervt.

„Wo ist deine Abenteuerlust geblieben, Tanja?“, meinte Oliver nur und packte bereits ihre Hand und zog sie mit sich nach draußen. Vor dem Tor des Schlosses blieb Tanja jedoch stur stehen. „Es regnet.„ ,stellte sie fest. Tatsächlich regnete es so stark das sie kaum noch was sehen konnten. „Seit wann stört dich ein bisschen Regen?“ Oliver nahm sie beim Handgelenk und rannte mit ihr über die Ländereien. Tanja war viel zu überrascht, als das sie hätte anders reagieren können, als mit zu laufen. Oliver rannte mit ihr an den Gewächshäusern vorbei und in eine völlig unbekannte Richtung. Tanja wusste nur noch das Hogsmead in der genauen Gegenrichtung lag und langsam begann sie sich zu fragen wo Oliver mit ihr hin wollte. Sie kamen an Hagrids Hütte vorbei und liefen am Rand des Verbotenen Waldes vorbei ohne dabei die Richtung zu ändern. „Oliver wo willst du hin?“ „Wo für gewöhnlich nie ein Schüler hingeht.“, entgegnete er nur durch den Regen. Beide waren bereits völlig durchnässt. 

Plötzlich konnte Tanja eine große Weide erkennen, deren dichtes Blätterwerk wie Vorhänge herunter hangen und bis auf den Boden reichten. „Wir dürfen doch gar nicht bis hier hin.“, stellte Tanja fest. „Deswegen ja.„ Oliver warf ihr ein Grinsen zu und sie liefen zu dem alten Baum. Oliver schob das Blätterwerk für Tanja beiseite und sie schlüpfte darunter. Erst unter dem dichten Blattwerk wurde ihr die Größe der alten Weide bewusst. Die dichten Blätter gaben ein Wasser undurchlässiges Dach und durch die verzweigten Äste und Stämme, die weit in alle Richtungen reichten, entstand ein freier Raum um dem Baum herum der den Platz eines Zimmers gleich kam. Tanja kam nicht mehr aus dem Staunen heraus. All die Jahre, die sie nun in Hogwarts war, hatte sie diesen Baum noch nie bemerkt. Oliver Wood stellte sich neben sie. „Erstaunlich nicht wahr?“„ Er ist fantastisch.“, gab Tanja zu und sah sich erstaunt um. „Warum habe ich ihn nur noch nicht vorher bemerkt?“ „Manchmal entdeckt man erst neue Dinge wenn man breit für sie ist, oder bereit ist sich ihnen zu öffnen.“, erklärte Oliver. Tanja war von diesen klugen Worten, die ausgerechnet von ihm kamen verblüfft. 


Seine Haselnussbraunen Augen funkelten sie an und durchdrangen sie bis tief in ihre Seele. Sie erschauerte. Tanjas Blick fiel auf Olivers nasses Gesicht. Die großen Regentropfen liefen an seinen fein gemeißelten Gesichtszügen herab und perlten über seine Lippen. Tanja fragte sich, wie sie wohl schmecken würden. Seinen kurzen braunen Haaren wurde durch die Nässe eine dunklere Haarfarbe verliehen, und kleinere Wassertropfen perlten von seinen Haarspitzen auf seine Stirn. Tanja hätte am liebsten ihre Hände ausgestreckt und – sie hielt inne. Was dachte sie da eigentlich? War sie vollkommen verrückt geworden? Das war schließlich Wood, der größte Playboy  in Hogwarts schlecht hin. Nein, sie musste einen Verwirrungszauber abbekommen haben. Schnell wand Tanja den Blick ab und drehte Oliver den Rücken zu. Oliver konnte seine Enttäuschung nur schwer zurück halten, als er bemerkte wie sie wiedermal seiner Nähe auswich. Plötzlich trat Wood an die andere Seite des Blättervorhanges und steckte den Kopf hinaus. „Was für ein Glück, es hat noch rechtzeitig aufgehört„ ,hörte Tanja ihn sagen. „Wieso denn noch rechtzeitig? Wofür?„ ,fragte Tanja neugierig. „Komm, gib mir deine Hand.“, meinte Oliver lächelnd und hielt ihr seine Hand hin. 

Tanja zögerte aber ihre Neugier überwog schließlich und sie ergriff seine Hand. Er zog sie zu sich, hielt sie mit einem Arm um ihre Hüfte fest und öffnete für sie den Blättervorhang. „Vorsicht, da geht es steil abwärts.„ ,meinte er leise an ihrem Ohr. Auf der anderen Seite des Baumes verbarg sich der Abgrund. Die Klippe, auf der die Weide stand endete wenige Meter vor Tanja. Tiefe leere stürzte sich dahinter Kilometer tief hinab. Oliver lenkte Tanjas Blick auf die eben untergehende Sonne. Der Himmel war blau rot gefärbt und ergab ein wunderschönes Bild mit der herab sinkenden Sonne. Tanja  war von dem Anblick wie gefesselt. Ein erstaunter und bewundernder Laut kam aus ihrer Kehle. In Oliver stieg Erleichterung auf. Er hatte schon befürchtet sie würde ihn für schrecklich romantisch und aufdringlich halten. Aber ihr schien es zu gefallen und das löste tiefe Freude ihn ihm aus. Ihre langen nassen Haare fielen ihr gelockt über die Schulter und auch ihr Gesicht schimmerte noch vom Regen. Es macht sie noch Hübscher, dachte Oliver sich und ein Lächeln spielte um seine Lippen. Gemeinsam genossen sie den Sonnenuntergang bis die Sonne sich hinter dem Horizont versteckte. Die Dunkelheit senkte sich nun langsam über das Schloss und die Ländereien. Tanja spürte noch immer Olivers Brust an ihrem Rücken. Auch wenn sie es nicht zugab aber er fühlte sich unwahrscheinlich gut an. Oliver der noch immer ihre Hand hielt zog sie nun wieder hinter den Blättervorhang. Tanja drehte sich zu ihm um. Ihr Blick war dankbar und außergewöhnlich warm. Er traf Oliver mitten ins Herz und brannte sich dort tief hinein. Tanja sah in Olivers Haselnussbraunen Augen ein Funkeln auf blitzen, welches in ein Verlangen überging. Schnell senkte sie den Kopf und betrachtete das nasse Gras auf dem Boden. „Danke.“, kam es von Oliver leise und sanft wie sie es nicht gewöhnt war. Fragend sah sie wieder auf. „Das du den Sonnenuntergang mit mir geteilt hast.“, erklärte er und lächelte, wobei sich kleine Grübchen in seine Wange zeichneten. „Es war wirklich wunderschön. Danke das du mir das  gezeigt hast.„ ,meinte Tanja schüchtern. Sie war irritiert, sie sollte lieber gehen. Es war keine gute Idee hier zu bleiben, so nah bei Oliver und das im Dunkeln. Aber eine Frage brannte noch in ihr, die er ihr noch immer nicht beantwortet hatte. „Oliver worum ging es in deinem Albtraum?„ Olivers Lächeln erstarrte. Er hätte es besser wissen sollen. Tanja war stur und dickköpfig, das wusste er, aber er wusste nicht warum sie sich so sehr für diesen Traum interessierte und nicht locker ließ. „Das weiß ich nicht mehr.“, log Oliver. Tanja kniff die Augen zusammen und musterte ihn misstrauisch. Innerlich verfluchte Oliver sie dafür das sie ihn immer so gut durchschauen konnte. Für gewöhnlich hatte er keine Probleme damit ihr alles zu erzählen. Aber er konnte ihr unmöglich erzählen das er geträumt hatte das ein schwarzer Magier sie tötet und er zugesehen hatte. Er hatte es nicht verhindern können und das machte ihm Angst. Er hatte Angst davor das dieser Traum bittere Wahrheit werden könnte. Was wäre wenn, er sie nicht beschützen könnte? Nein, das durfte niemals passieren. Er schwor sich still, für jetzt und alle Zeit sein Leben zu  geben, sie zu beschützen unter allen Umständen. 



Tanja wusste das seine Worte leer und gelogen waren. Aber sie verstand nicht warum er sich ihr so entzog und ihr nicht die Wahrheit sagen wollte. Was hatte ihm nur solche Angst eingejagt das er schreiend aufgewacht war? „Oliver.“,  bat sie leise. „Du hast geschwitzt und bist schreiend aufgewacht. Du hast meinen Namen geschrien. Also bitte was hast du geträumt?„ Tanja wurde allmählich ungeduldig. Oliver schluckte schwer und so Leid es ihm tat, aber er konnte es ihr nicht sagen. Er wollte es nicht. „Ach tatsächlich? Ich weiß überhaupt nichts mehr.„ ,meinte er nur steif. Tanja seufzte geräuschvoll. Sie verlor noch ihren Verstand an diesen sturen Bock. Schließlich nickte sie nur und schritt mit versteiften Schritten zum Blättervorhang. „Ich habe geträumt das du umgebracht wurdest.“, platze es aus Oliver heraus. Als Tanja sich zu ihm umdrehte konnte sie Tränen in seinen Augen glitzern sehen. Er schritt vor sie, bis sein Gesicht ihrem so nah war das sie seinen Atem auf ihren Wangen spüren konnte. „Warum hast du nur geschrien?“, fragte Tanja mit zitternder Stimme. „Weil ich nicht  möchte das dir etwas zustößt.“, erklärte Oliver mit leiser Stimme. Er fuhr mit seiner Hand über ihre Wange. Tanja zog die Luft scharf ein. Für einen Augenblick verharrte sie. Noch nie, noch nie in ihrem Leben hatte jemand Angst um sie gehabt. Sie war allein und es schon immer gewesen. Ihre Eltern waren gestorben für sie und sie wollte nicht dass das gleiche noch einmal passierte. Niemand sollte je wieder sein Leben für sie geben müssen. Sie würde nicht zulassen das nochmal jemand, sie so sehr lieben würde, das er für sie bis in den Tod gehen würde. Sie schüttelte den Kopf um ihre Gedanken zu ordnen. Nein, das war sicher wieder einer seiner Scherze. Oliver versuchte sie zu irritieren damit sie leichtere Beute für ihn war. Das konnte nicht sein Ernst sein. Tanja wendete sich erneut von ihm ab, um zu gehen. „Warum hast du Angst davor jemanden in dein Herz zu lassen?„ Olivers Frage traf sie unvorbereitet, wie ein Schlag in den Magen. Sie wusste nicht was sie antworten sollte. Er hatte sie durchschaut und ihr die kalte Wahrheit rücksichtslos ins Gesicht geworfen. Sie ließ tatsächlich niemanden nahe genug an sich heran um für ihn Zuneigung zu entwickeln. Das machte sie schon immer und Wood war es schon bei ihrer ersten Begegnung aufgefallen. Wut stieg in ihr auf. Wut über sich selbst, weil sie nie eine tiefe Bindung mit einem Menschen eingehen konnte. Aber vor allem Wut über Oliver der die Frechheit besaß sie zu durchschauen und ihr das auf unbarmherzige Weise unter die Nase zu halten. „Tust du nicht dasselbe?“, entgegnete sie schließlich mit kalter Stimme und verschwand in die Nacht hinaus. Oliver blieb Enttäuscht und Verwirrt zurück. 
Er hatte sich eine ehrliche Antwort erhofft. Aber gleichzeitig hatte sie Recht. Was nahm er sich heraus mit dem Finger auf sie zu zeigen, wenn er doch selber vor der Nähe jedes Menschen davon lief. 



Tanja erreichte den Gemeinschaftsraum und als sie durch das Portraitloch kletterte schlugen ihr die leisen Gespräche der Schüler entgegen. Es war bereits eine Stunde vergangen, seit das Ausgehverbot eingesetzt hatte. Glücklicherweise fiel es den meisten Schülern nicht auf das Tanja gerade erst den Raum betreten hatte. Tanja ließ ihren Blick schweifen und erkannte Kate über die ersten Hausaufgaben sitzen. Sie ging auf den hinteren Tisch zu, wo sich Kate mit ihren Bücher über einen Tisch ausgebreitet hatte. „Na so was, du arbeitest ja.“ ,stellte sie laut fest. Kate blickte auf und knurrte nur ein: „Wo hast du dich denn herum getrieben?“ Tanja zuckte lediglich mit den Schulter und ließ sich neben Kate auf einen Stuhl nieder. „Ehrlich du bist nach dem Abendessen einfach so verschwunden. Das war nicht sehr nett.“ Mit einem Blick auf Tanjas immer noch nassen Kleidern fügte sie hinzu: „Wo warst du denn?“ „Tut mir schrecklich Leid. Ich, Ähm, hatte noch etwas zu erledigen.“, wich Tanja ihr aus. „Hast du denn schon die Hausaufgaben von Professor McGonagall erledigt?“, fragte Kate und zog beide Augenbrauen in die Höhe. Tanja schluckte. Das hatte sie völlig vergessen. Oliver hatte sie so durcheinander gebracht das sie die Schulaufgaben vollkommen vernachlässigt hatte. „Nein.„ ,gab sie leise zu. Doch Kates verwunderter Blick galt nicht mehr Tanja sondern der Person, die soeben den Gemeinschaftsraum betreten hatte. Oliver Wood war eben herein gekommen und hatte sich zu seinem Freund Dennis gesellt. „Wieso ist Oliver auch nass?“, stutzte Kate. Ihr Blick heftete sich an Tanjas steinernde Miene, deren Blick sich gen Boden richtete. „Ahaaaa.“ , stieß Kate laut aus als ob ihr soeben eine Beschwörungsformel klar geworden wäre. „Hör auf zu Denken Kate, das bekommt dir nicht. Ich geh ins Bett.„ ,fauchte Tanja genervt und verschwand die Treppe zum Schlafsaal nach oben. 

Der Schlafsaal lag leer und vollkommen ruhig vor ihr. Alle Schüler waren noch im Gemeinschaftsraum und es würde sicher noch einige Zeit dauern bis die ersten beschlossen ins Bett zu gehen. Tanja zog ihre nassen Klamotten aus und hing diese vor dem Ofen auf, der bereits von den Hauselfen angeheizt worden war. Einige Minuten verharrte sie dort und rief sich noch einmal Olivers harte Worte in Erinnerung, gleichseitig wärmte das warme Feuer ihre kalten, nassen Glieder. Er hatte von ihrem Tod geträumt. Er wollte sie retten. Er hatte sie Gnadenlos durchschaut. Sie wusste das er Recht hatte, dass sie sich jeder Nähe entzog. Aber was war so schlimm daran? Was wusste er denn schon davon einen geliebten Menschen zu verlieren? Nichts! Überhaupt nichts. In Tanjas Augen stiegen wieder die Flammen der Wut auf. Sie brauchte keine Nähe. Sie brauchte niemanden. Niemals. Sie war alleine und wollte es auch nicht anders. Sie hatte akzeptiert das sie es nicht anders verdiente als allein zu sein. Alles andere war ein Luxus, den sie sich nicht leisten konnte. Das ihre Eltern tot waren, war ganz allein ihre Schuld. Die Wut in Tanja, die sich größtenteils auf sie selber beruhte, wich tiefer Trauer und Schmerz. Sie kletterte in ihr Bett und zog die Vorhänge zu, in der Hoffnung so die Welt ausschließen zu können. In ihrer Brust brannte ein tiefer Schmerz, der nicht heilen wollte. In ihr brannte sich ein tiefes Loch, welches nur ab und an zu brennen schien. Sie wünschte sich zwar, tief in ihrem Herzen endlich auch glücklich zu sein. Wie schön es doch wäre ebensolches Glück wie die anderen erfahren zu können. Einen Menschen, nur eine Person zu haben mit der man alles teilen konnte. Lachen, Weinen, die Freude, die Trauer und die Liebe. Die Liebe. Sie hatte nie die Liebe kennen gelernt. Zugegeben Tom liebte sie, auf eine bestimmte Art und Weise. Ebenso wie Caro. Aber das war nicht das gleiche. Sie wollte jemanden der sie in die Arme zog wenn es ihr schlecht ging. Der ihre Hand nahm und wo sich zugleich sicher und geborgen fühlen konnte. Tanja schloss die Augen und verbannte diese kindischen und träumerischen Gedanken aus ihrem Kopf. Sie wusste es besser. Mit dem süßen Beigeschmack der Einsamkeit schlief sie schließlich ein und fiel in einen unruhigen Schlaf.

 

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